Ende Juni hat Düsseldorf eine besondere Stunde. Die Sonne steht lange hoch, die Abende dehnen sich aus, und gegen halb zehn liegt noch immer ein weiches, goldenes Licht über dem Rhein. Es ist die Zeit des Jahres, in der ein Spaziergang nicht enden möchte und die Stadt am Wasser ihren gelassensten Ausdruck findet.

Ich beginne gern am späten Nachmittag an der Rheinuferpromenade, wenn die größte Hitze nachlässt und vom Fluss ein kühler Luftzug kommt. Der Weg ist breit und offen, die Boote ziehen ruhig vorbei, und die Stufen am Wasser füllen sich langsam mit Menschen, die einfach nur dem Abend zusehen. Man muss nichts planen; das lange Licht übernimmt die Regie.

Von der Promenade lasse ich mich in die Carlstadt treiben, wo die schmalen Straßen am Abend kühler und stiller werden. Ein Glas vor einem kleinen Lokal, ein Blick in ein Schaufenster, dann weiter Richtung Altstadt, die im Hochsommer erst spät richtig erwacht. Zwischen den alten Fassaden hängt der Tag noch in der warmen Luft.

Für die letzte Etappe gehe ich oft in den Hofgarten. Unter den hohen Bäumen sammelt sich die Wärme des Tages, der Park wird weicher, und die Wege liegen fast leer. Es ist der ruhige Gegenpol zur belebten Promenade, ein grüner Raum, in dem der lange Sommerabend ganz langsam ausklingt.

Was mich Ende Juni am meisten freut, ist die Großzügigkeit des Lichts. Die Tage sind hier oben im Norden lang, und die Dämmerung zieht sich hin, als wolle sie nichts überstürzen. Man kann nach dem Abendessen noch ein zweites Mal an den Fluss gehen, ohne dass es dunkel wird, und die Stadt schenkt einem diese zusätzlichen Stunden ganz selbstverständlich.

Hochsommer in Düsseldorf bedeutet für mich nicht großes Programm, sondern Zeit. Die hellen Abende schenken Stunden, die man sonst nicht hat, und die Stadt am Rhein gibt ihnen einen schönen Rahmen. Man geht ein wenig weiter, bleibt ein wenig länger, und der Tag verabschiedet sich erst, wenn man bereit ist.